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Nicola Bardola: Schlemm. Roman. A1 Verlag, München, 208 Seiten, Gebunden, € 18,40 (D),  sFr32,50. ISBN 3-927743-79-8

Stimmen zu Nicola Bardola: Schlemm

Ich bin sehr beeindruckt von der Wucht der Gefühle und den vielen, wunderbaren Szenen zwischen den Figuren, besonders zwischen den alten Eheleuten, die erhaben und selbstbestimmt ihr Ende wählen ...
Friedrich Ani

Der explosive Stoff findet in "Schlemm" eine leise, eindringliche, fast poetische Sprache. (...) "Schlemm" ist keine Werbekampagne für einen leichten Tod. Bardola provoziert den Leser, sich selbst Gedanken zu machen um Ethik und Menschenwürde und seinen ganz persönlichen Tod. Auch deshalb ist dieses Buch unverzichtbar (...) "Schlemm" ist eine Entdeckung, auch literarisch, die wichtigen Diskussionsstoff für ein existentielles Thema bietet. Arte, Kulturmagazin "Metropolis", 26. Februar 2006

Der Schweizer Autor mit Münchner Wohnsitz greift ein aktueller werdendes Thema auf: Sterbehilfe und wie die nächsten Verwandten damit umgehen. Mit seinem ersten Roman betritt der Journalist die literarische Bühne und überzeugt auf Anhieb ... Carlo Bernasconi, Schweizer Buchhandel

In seiner Wahlheimat Deutschland hat Bardolas Roman hohe Wellen geworfen, in einem Land also, wo die Diskussion über Sterbehilfe durch den unseligen Missbrauch der "Euthanasie" durch die Nazis noch immer schwer belastet ist. Er glaube, dass man "mit einer literarischen Sprache die Fronten aufweicht", sagte Bardola in einem Interview. Nach der gewinnbringenden Lektüre seines meisterhaften Romans ist man geneigt, ihm zuzustimmen. Andrea Bollinger, exit info

Knapp, nüchtern, lakonisch erzählt Bardola das Drama dieses angekündigten Todes. Und rückt gerade dadurch, dass er sich entfernt, seine Leser ganz nah an die Eltern heran. Ihre Entscheidung wird verständlich und die Trauer der Familie beinahe körperlich spürbar. Bardolas Tatsachenroman spielt in der Schweiz – und trifft in Deutschland einen Nerv ... Jobst-Ulrich Brand, Focus

Liebevoll, aber auch ratlos verabschieden sich die Eheleute zum Schluss voneinander. Der Roman ist klar montiert, der Ton eher sachlich. Bardola beschreibt authentisch die Verwerfungen, die mit der Entscheidung für einen geplanten Tod in einer Familie ausgelöst werden (...) Es ist, als wollte der Sohn als Autor den Eltern ein guter Sohn bleiben ... Der Spiegel

Die Kindheitserinnerungen Lucas ebenso wie die Gedankengänge setzen sich einfühlsam mit dem schwierigen Thema auseinander und erzeugen eine melancholische, sehr private Atmosphäre, die den Leser schnell in ihren Bann zieht ... Birgit Erwin, literature.de

Frei von jeder Sentimentalität (wie groß ist die Versuchung bei einer emotional so aufgeladenen Thematik!), mit einem ganz eigenen Stil. Amelie Fried

Eine sehr bewegende Lektüre ...
Franz Greno

Die Liebe, die Hoffnung, die Schönheit dieser Erde, das Wasser, das Schwimmen im Wasser und das erotische Empfinden der Menschen wird hineingenommen bis in die Nähe des Todes. Das alles wird entblättert, dass es unmöglich ist, sich dem zu entziehen ... Klaus Grunenberg, Amazon Top 50 Rezensent

Ein Roman so nachvollziehbar wie die eigene Erinnerung ...
Alexa Hennig von Lange

Nicola Bardola nähert sich den Themen Sterbe- und Freitodhilfe in ausgefeilter Form und Sprache (...) Dieser Roman ist Zündstoff für eine mündige Gesellschaft, die Ethik und Menschenwürde äußerst ernst nimmt ... Ute Hoffarth, Nachtkultur, Südwest Fernsehen

Das Buch hilft Ängste abzubauen und macht Mut ...
Anna Hüberli, chantunet da cudeschs, Scuol

Ich war mit dem Thema noch nicht konfrontiert, deshalb stelle ich möglicherweise laienhafte Fragen. Aber ich stelle es mir schlimm vor, zu einem letzten Abendessen zu meinen Eltern zu gehen und morgen gehen die sterben. Das kann ich nicht verstehen ... Johannes B. Kerner zu Nicola Bardola im ZDF am 9. November 2005

Das Buch passt genau in die aktuelle Diskussion um Sterbehilfe. Aber es ist kein Ratgeber, kein Sachbuch, sondern ein Roman, der mich sehr gefesselt hat, aufgeregt und angeregt. Es beginnt höchst dramatisch schon auf der ersten Seite ... Barbara Klett, NDR 1 Radio

Selten hat ein Buch - mal abgesehen von Grass & Walser - derart nachhaltige Diskussionen ausgelöst wie der erste Roman des Wahlmünchners Nicola Bardola (...) "Schlemm" ist ein literarischer Text, der sich seiner Mittel sehr bewusst ist und nicht allein über das Thema zu definieren ist. Vielmehr regt er, weil er aufwühlt und in die Tiefe geht, zum Nachdenken an. Denn "das Leben vergeht wie ... nichts. Wusch!" Thomas Kraft, Frankfurter Rundschau

Ein hochspannendes, mit viel Gefühl geschriebenes Buch … Werner Kriesi, Ex-Präsident Exit

Ich wünsche dem Buch Leser aus meiner Generation, damit wir es einmal taktvoller anstellen, wenn wir uns vom Leben verabschieden ...
Michael Krüger

Ein faszinierender Roman ... Spannend und mit einer schönen Sprache. Ich werde mich für den Erfolg dieses Buches einsetzen ...
Barbara Kübler, Buchhandlung Hacker, München

Dem 46-jährigen Zürcher Nicola Bardola ist mit „Schlemm“ ein stimmungsvoller Romanerstling gelungen. Aus einer Themenwahl – Sterbehilfe und Selbstmord -, die gemeinhin mutig zu nennen wäre, macht Bardola eine unaufdringliche Geschichte (...) Bardola gelingt es, keinen moralischen Diskurs zu halten. Das Sterben ist hier privat, vielmehr familiär. Und das ist gut so. Und richtig. Kulturmagazin  

Was für ein Auftakt (...) Sensibel nähert sich der Autor mit sanfter und intimer Sprache den Figuren und ihren Geschichten (...) Sehr vielschichtig (...) Ein gelungenes Debüt und ein beachtenswerter Beitrag der Literatur zu einem großen, gesellschaftlich relevanten Thema. Kulturnews, www.kulturnews.de

Mit Behutsamkeit und doch unsentimentaler Präzision ist Nicola Bardola diesem letzten Weg seiner Eltern gleichsam nachgegangen. Er sucht zu begreifen, warum Paul und Franca freiwillig aus dem Leben scheiden, warum sie Schlemm angesagt haben, dieses höchste, letzte Ziel, als Begriff aus dem Bridge entlehnt. In zum Teil – man kann es kaum anders sagen – „sterbensschönen“ Szenen schildert er dieses Lebewohl, entwickelt es für den Außenstehenden aber auch als logisch nachvollziehbaren, praktischen Prozess (...) Ein großartiges Buch um das Tabuthema Tod ... Thomas Lochte, Starnberger Merkur

Nicola Bardola hat auf diesen 200 Seiten die selbst gewählte Aufgabe übernommen, die Position der Eltern zu erklären. Vor allem aber hat er Einblicke in das Dazwischen gegeben, in die Gefühle und Wahrheiten, die sich hinter den großen Argumenten verstecken ... Hilke Lorenz, Sonntag Aktuell

"Schlemm" ist ein wahrer moderner Bildungsroman (...) Auch aus Deutschland reisen jährlich ca. 250 Menschen in die Schweiz, um assistiert ihr Leben zu beenden. Ludwig Minelli, Gründer von Dignitas, sagte Regina Kerner in einem Interview in der Berliner Zeitung: "Alle 43 Minuten gibt es in Deutschland einen Suizid, sie sind die Hauptursache der Verspätungen der Deutschen Bahn. Aber weder Politik noch Kirchen reden darüber." (...) Assistierter Suizid, aktive Sterbehilfe sind in Deutschland mit Tabu und Strafe belegt. Kommt das Thema zur Sprache herrscht rigorose Abwehr. Die Debatten um aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid sind meist moralisch und ablehnend. (...) "Schlemm" löst einen Reigen von Gefühlen aus: Trauer, Beklemmung, Bestürzung, Freude, Ruhe, Unbehagen. Und sehr viel Nachdenken. Der Roman beschert einem, was einen guten Roman ausmacht: Spannung. Bardola überzeugt durch das ungewöhnliche Thema, seine Inhaltsfülle und seine schlichte Sprache. Nur ohne moralische Hysterie kann so ein Roman entstehen. "Schlemm" ist unprätentiös, manchmal schwer, manchmal leicht. Manchmal lyrisch, dann "schneit es Butterflocken" - und manchmal bitter: "Franca hätte Paul gerne einmal gesagt, dass sie Stellen am Körper hat, die er nie berührt hat. Aber das verliert mit den Jahren an Bedeutung." (...) Fakt ist: Alle sterben irgendwann. Aber man stirbt auf jeden Fall nicht dumm, wenn man "Schlemm" gelesen hat - und sich danach vielleicht im Fall der Fälle zum unterstützten Freitod entschließt. Und: Es dürfte schwer sein, "Schlemm" in seiner sprachlichen Schönheit und inhaltlichen Qualität zu übertreffen. Hilde Meier, www.kultura-extra.de

Ein Familienportrait inklusive Diskussionsstoff, reduziert und eindringlich erzählt ...
Barbara Meixner, BuchMarkt   

Dem Roman vorangestellt ist ein Zitat aus Rilkes "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" über den Verlust des eigenen Todes, der bald - Rilke schrieb am Anfang des 20. Jahrhunderts - so selten sein würde wie ein eigenes Leben. Fast 100 Jahre später reflektiert Nicola Bardolas Roman die Möglichkeit des eigenen Todes als eine Art Gegenentwurf. Rilke schrieb vom Tod, den jeder einzelne Mensch in sich trägt "wie eine Frucht den Kern", er muss nicht leicht sein, im Gegenteil, und schön ist dieser Tod allein durch seine Unverwechselbarkeit. Wenn Nicola Bardola fast 100 Jahre später über den "eigenen Tod" seiner Eltern schreibt, ist der selbst gewählt und bei der Sterbehilfe bestellt - wie eine Pizza, sagt im Roman einmal jemand sarkastisch. Ist der zeitgenössische "eigene Tod" schön durch Freiwilligkeit? (...)  Nicola Bardola gelingt es, selbst in Szenen, bei denen man die Luft anhält, eine anrührende Festlichkeit spüren zu lassen, einen „Glanz, den der Abschied gibt“, wie Ilse Aichinger das einmal genannt hat. (...) Bardola hat kein Plädoyer für Sterbehilfe verfasst. Er hat einen Roman geschrieben: diskursiv, poetisch, reflektiert, voller Sprachaufmerksamkeit, lebensklug und - ratlos genug. Ein Buch, das beim Lesen den eigenen verborgenen oder uneingestandenen Gedanken und Gefühlen auf die Sprünge hilft - man sieht die Welt danach anders an als zuvor. Ute Mings, Bayern 2 Radio

Das Erschütternde an diesem ungewöhnlichen Buch ist nicht allein die Thematik des selbstbestimmten Todes. Was dem Roman "Schlemm" eine neue, beunruhigende Brisanz gibt, ist das seelische Unterfutter etwas abseits des Plots. (...) Bardola zeigt an präzisen Details behutsam das staunende Ausgesetztsein derer, die weiterleben werden (...) Ist sie Opfer, weil sie ein Leben lang meinte, sich für die Kinder opfern zu müssen? Ist sie Täterin, weil eine Mutter, die sich nur opfert, keine hinreichend gute Mutter sein kann? War dieser "Schlemm", der siegreiche "Schlag", ein bitter triumphales Zuschlagen mit dem eigenen Tod? Wie gute Literatur immer sensibilisiert dieser Roman und lässt den Horizont offen.  Angelika Overath, Neue Zürcher Zeitung

Der Entschluss der Eltern, der so feinfühlig wie akribisch geschildert wird, hat nichts mit feigem Davonlaufen zu tun, sondern wird von Luca als ein langsames Heranreifen beschrieben. (...) Daraus ist ein stiller, anrührender Roman entstanden, in dem das Pro und Kontra zum Thema Sterbehilfe bis in die letzte Konsequenz durchdacht wird. (...) Ein Buch, das sich respektvoll mit dem Tod auseinandersetzt, das ohne Sentimentalität tiefgründig, intelligent und auf hohem philosophischen Niveau ein Tabuthema behandelt. Maria Panzer, Lesart

Außer diesem packenden Familienporträt schuf der in München ansässige Schweizer Journalist und Übersetzer Nicola Bardola eindringliche Landschaftsbeschreibungen der Sinser Gegend sowie der dort lebenden Menschen und ihrer Lebensart ... Karoline Pilcz, Buchkultur, Das internationale Buchmagazin

Auf behutsame Weise werden die Ängste und Sorgen der Beteiligten thematisiert, ohne dass es für sie mustergültige Lösungen gibt (…) Der Leser muss sich bei der Lektüre mit elementaren Fragen auseinandersetzen, auf die es keine allgemeingültigen, sondern nur sehr persönliche Antworten gibt (…) Bardola lässt immer wieder Zitate des französischen Philosophen Michel de Montaigne einfließen: „Genug für andere gelebt, leben wir wenigstens dieses letzte Stück Leben für uns selbst ... packen wir unsere Sachen; nehmen wir rechtzeitig Abschied von der Gesellschaft; machen wir uns los von diesen aufdringlichen Banden, die uns an anderes fesseln und uns von uns selbst entfremden.“ (…) Bardola hat das Spannungsfeld von Liebe und Tod und die Erforschung einer fremden Vergangenheit am Beispiel seiner Eltern zum Zentrum seines Romans gemacht. „Schlemm“ ist ein Familienporträt, eine Selbstfindung und auch ein Plädoyer für mehr Würde ... Nikola Poitzmann, www.media-mania.de

Gelesen und für gut befunden (...) In die Bilanzierung des elterlichen Lebenslaufs fügt Bardola Pro und Contra der Sterbehilfe. Viele Freunde hätten die beiden lieber leidend sterben gesehen. Nur die beiden Söhne und ihre Frauen haben von der mutigen Tat vorher gewusst und sie mit getragen. Dieser unsentimentale Roman trägt zur Klärung der eigenen Entscheidung bei. Ellen Pomikalko, BuchMarkt

Nicola Bardola, der 46-jährige Schweizer, hat mit “Schlemm“ (der Begriff stammt aus dem Bridgespiel) ein beunruhigendes Buch geschrieben (...) Ein verstörendes, zugleich sensibles Romandebüt (...) Eine starke Familiengeschichte (...) Darf in keinem Regal fehlen ... Marcus Römer, bücher

Das sind die beiden Pole - von der Philosophie her und von den Figuren her: Einerseits weiß man, wie das Leben ist, andererseits will man nicht das Sterben verlängern. Eine Ebene entsteht dadurch, die viel Platz im Roman einnimmt und die mir Raum zur Reflexion gibt (…) Franca, die die Familienfäden immer in der Hand gehalten hat, lässt es sich am Ende nicht nehmen, einen letzten Triumph zu haben und man glaubt es nicht, aber man wird beim Lesen dieser Episode auch lachen und zwar von Herzen (…) Ich habe als Leser, nachdem ich zuerst eher beklemmt war, jetzt fast ein gutes Gefühl (…) Das ist auch ein Buch voller Leben und Liebe. Luca ist Musiker. Er wird sich in eine Cellistin des Orchesters verlieben (…) Luca ist eine Figur, die wie in einem Entwicklungsroman eine ganz eigene Sicht auf das Leben gibt … Hardy Ruoss, Reflexe, DRS 2

Nicht nur inhaltlich brisant, sondern auch sprachlich eindrucksvoll und formal bestechend. Ingeborg Salomon, Rhein-Neckar-Zeitung

Nicola Bardola schafft in seinem Roman ein Geflecht aus unterschiedlichen Ansichten und Gefühlen – aus Vergangenheit und Gegenwart. „Freiheit zum Freitod als Menschenrecht – ist das zu viel verlangt?“, fragt sich Vater Paul. Vorsichtig reißt der Autor die Tabuthemen Sterbehilfe und Freitod an und hinterlässt die Leser nachdenklich ... Carmen Scharte, dpa

Fast lapidar klingt die Bezeichnung "Roman" für diese hervorragende Prosa, die extrem aufwühlt, den Leser zwingt, sich seiner eigenen Sterblichkeit zu stellen, das Thema "Tod/Sterben" nicht weiter zu verdrängen. Rainer Scheer, Eselsohr

"Es heißt, jeder sterbe für sich allein, kein anderer könne mit ihm sein, auch wenn er gleichzeitig sterben würde", überlegt der alte Mathematiker Paul in Nicola Bardolas Roman "Schlemm". Bardola zeigt, wie sich der Protagonist gedanklich auf den gemeinsamen Freitod mit seiner Frau vorbereitet und lotet nuanciert deren widersprüchliche Gefühle über das Sterben aus. Barbara Schmidt, Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel

Dieses so anrührende wie erschütternde Debüt konfrontiert jeden Leser mit der Frage nach dem Sinn des Lebens ... Schweizer Illustrierte

Nicola Bardola ist ein fesselndes, philosophisches und poetisches Familienporträt gelungen. Ort der Handlung ist das Unterengadin (...) Obwohl Bardola seit über 20 Jahren in München lebt, hat er als Bürger von Sent nach wie vor eine enge Beziehung zum Unterengadin. Bardolas Großeltern väterlicherseits stammten beide aus der Ortschaft. Sie waren als junges Paar aus dem Unterengadin nach Italien ausgewandert, um eine Zuckerbäckerei zu eröffnen - dies wie so viele andere auch in jener Zeit. Den Kontakt zu ihrer Heimat haben sie nie abreißen lassen. Diese regelmäßig Wiederkehrenden werden als "Randulins" (Schwalben) bezeichnet. Nicola Bardola fühlt und bezeichnet sich selber als "Schwalbe": kein wirklich Einheimischer, da nicht hier aufgewachsen, aber eben doch anders als ein Zugezogener oder Feriengast. Scuol Turissem / Allegra 

Philosophisch, poetisch, prägnant – eine intelligente und sensible Darstellung eines wichtigen und schwierigen Themas ... Spotlight, Deutsch perfekt

„Schlemm“ ist die literarische Chronik eines angekündigten Todes (...) Nicola Bardola nähert sich dem heiklen Thema Sterbehilfe behutsam an, mit feinem Gespür für Fragen, die der selbstbestimmte Tod aufwirft ... Michael Stadler, Abend Zeitung

Es ist ein Buch, das sicherlich sehr gegensätzliche Reaktionen auslösen kann – religiöse Menschen werden es ablehnen, denn in der Welt, die Nicola Bardola beschreibt, wird Gott nicht gebraucht, ist durch wissenschaftlichen Fortschritt überflüssig geworden. Die distanzierte Schreibweise des Autors zwingt dem Leser jedoch keine Parteinahme auf – das ist das Positive an diesem Roman ... Barbara Steinbauer, Radio Aktiv, Hameln

Nicola Bardola hat in einem ergreifenden Buch beschrieben, wie sich seine Eltern zum Freitod entschlossen hatten, mit ihren zwei Kindern darüber sprachen und zusammen starben ... Friderike Stüwert, Bild Zeitung

Das Buch hat mich sehr bewegt ... Prof. Christoph Student

Fast klinisch kühl schildert der Autor sowohl das unfassbare Geschehen wie die Gefühle der betroffenen Familienmitglieder. Gleichzeitig ist das Buch ein wichtiger Beitrag zu einer Diskussion, die immer lauter wird und der nicht auszuweichen ist. In der Schweiz ist die Selbsttötung von alten Menschen kein Tabu-Thema (mehr). Es ist die Rede vom Selbstbestimmungsrecht des Menschen, vom Recht auf einen würdigen Tod, vom Recht, einem trostlosen entwürdigenden Dahinsiechen im Pflegeheim ein Ende zu setzen. Unheilbar kranke Menschen, die im Besitze ihrer geistigen Fähigkeiten nach reiflicher Überlegung entscheiden zu sterben, sollen diese Möglichkeit haben. Und zwar sollen sie einen sicheren, angenehmen Tod sterben können. Dem ist an sich nichts entgegenzusetzen. Doch trotzdem, es stellen sich Fragen: Wo beginnt Leiden? Wer entscheidet darüber? Wo sind die Alternativen zum selbstbestimmten Tod? Nämlich ein Altern und Gebrechlichwerden in Würde? Was bedeutet dieser Schritt für die Angehörigen? Nicola Bardola zeigt in seinem Roman auf, dass wir noch weit davon entfernt sind, die Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem selbst gewählten Tod im Alter stellen, beantworten zu können. Und er fordert zur Diskussion auf, was auf jeden Fall zu begrüßen ist. Liliane Studer, Literaturkritik.de

„Schlemm“ – das meint den Kontrakt beim Bridge, bei dem ein Mitspieler zwölf Stiche machen muss. „Schlemm“ ist aber auch der Titel des Debütromans von Nicola Bardola (...) Er stellte seinen Roman einem sichtlich bewegten Publikum in der Münchner Traditionsbuchhandlung Lehmkuhl vor ... Andreas Trojan, Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel

In der eisig klaren Luft des Engadin werden die letzten großen Denkgebäude über Leben und Tod errichtet. Montaigne, Jean Améry, Seneca und Franz Werfel assistieren. In maßvollem und nachdenklichem Ton, der keine schrille Note zulässt, verfasst Nicola Bardola das beeindruckende Requiem zu Ehren seiner Eltern, die ihm längst abhanden gekommen schienen. Und - er lernt, den "Schlemm" zu begreifen. Ein literarisches Debüt, vor dem man den Hut zieht ... Ravi Unger, Amazon.de-Redaktion

In einfachen, zurückhaltenden Sätzen beschreibt der Roman die letzten Tage, für pathetische Abschiedsgesten hat er keine Zeit. Obwohl es in jeder Zeile um Leben und Tod geht, ist daher kein tränenschweres Drama, was der Schweizer Journalist aus Erinnerungssplittern, E-Mails und Buchzitaten zusammensetzt. Fast drehbuchartig beschreibt er Schlüsselmomente der Familie, begleitet die Charaktere wie ein versteckter Kameramann, nie wertend, immer beobachtend und so erklären sich in angerissenen Halbsätzen langsam die Figuren. Gerade die Zurückhaltung des Autors bringt dem Leser die Figuren nahe: Nach ein paar Seiten befindet er sich derart in der Geschichte, dass er beginnt, die Positionen abzuwägen, so als müsste er sich am Ende selbst entscheiden (...) Nicola Bardola hat mit “Schlemm“ ein trauriges Buch geschrieben, das den Mut hat, den Tod wieder zurück ins Leben zu führen, dorthin wo gelacht wird und manche Würfel noch nicht gefallen sind ... Laura Weißmüller, Süddeutsche Zeitung

Bardola legt einen umfassenden Ideenroman zu einem der zentralsten Lebens- und Literaturthemen vor. 400 Jahre nach Hamlet leistet er eine hochkomplexe (moderne medizinische, gesellschaftliche, philosophische Entwicklungen in Rechnung stellende) Variation des Monologs: „Sein oder nicht sein, das ist die Frage.“ (...) Insofern ist Bardolas Erstling nicht nur ein Roman über das Sterben und über den Freitod, sondern auch ein Liebesroman, in dem (wie seit jeher in der Weltliteratur) die Themen Liebe und Tod aufs Engste miteinander verbunden sind – je näher der Todestag der Protagonisten rückt, desto eindringlicher und bewegender (...) Auch der Leser neigt dazu, sich innerlich gegen die Teleologie dieses Endes aufzulehnen, auf ein Ereignis zu hoffen, das dieses Ende, wenn schon nicht aufhebt, so vielleicht doch vertagt. Bardolas Roman kommt hier dem Urprinzip aller Tragödie nah: Unabwendbarkeit der Geschehnisse, an deren Ende der Tod steht. Der Roman entfaltet einen unwiderstehlichen Sog des Hinein- und Mitgezogenwerdens. Beginnend mit der lakonischen Art, wie er den Freitod der Eltern ankündigt, bis hin zu der millimetergenauen Behutsamkeit in der Beschreibung der Tage, der Stunden, der Minuten des Sterbens – auch der Gedanken, der Erinnerungen der Sterbenden. Ein einzig verfehltes Wort hätte hier so viel zerstören können. Keine Vergangenheit stiftet hier Distanz. Das Leben und das Sterben wird uns in größter Unmittelbarkeit vor Augen geführt. Bardola, der Meister (wenn nicht Erfinder) des epischen Präsens ... Joachim Zelter, Stuttgarter Nachrichten

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"Manche Menschen denken, Sterbehilfe sei gleichbedeutend mit Verdrängung des Todes oder dem Tod ausweichen. Ich frage mich, ob nicht das Gegenteil der Fall ist. Und ich frage mich auch, was mehr Mut braucht: Frühzeitig aus dem Leben zu scheiden, so wie es mein Vater gemacht hat oder den Tod auf die möglichst lange Bank zu schieben und in ein Hospiz zu gehen. Und dort solange auszuhalten, wie es nur geht. Was braucht mehr Mut? Ich glaube, beides braucht möglicherweise gleichviel Mut." Nicola Bardola im NDR-Fernsehen, „Kulturjournal“, am 17. Oktober 2005

„In Deutschland gibt es nach wie vor Menschen, die ins Ausland fahren müssen, um so sterben zu dürfen, wie sie es sich wünschen.“ Nicola Bardola bei Johannes B. Kerner im ZDF am 9. November 2005

 „In der Schweiz hätte die Suizidrate in den letzten Jahren stark steigen müssen, weil angeblich die Schwelle zum Suizid durch Sterbehilfeorganisationen gesenkt wurde. Dem ist nicht so. Hingegen steigt in Deutschland die Suizidrate bei Senioren. Sie töten sich meist einsam, verzweifelt und gewaltsam.“ Nicola Bardola in Wieland Backes’ Nachtcafé am  2. Dezember 2005 (Südwest Fernsehen)

„Ich spreche von ‚Sterbe-Emigration’, denn der Begriff ‚Sterbetourismus’ ist zynisch. Es hat nichts mit Urlaub zu tun. Weitere Begriffe in der Medien- und Alltagssprache verzerren die Situation. Denken Sie an den ‚Sterbecocktail’ oder an Formulierungen wie ‚Ticket ins Jenseits’ und ‚Sterben nach Schweizer Art’, das klingt nach etwas Kulinarischem. Das ist furchtbar. Die Ereignisse, die sich abspielen aufgrund einer restriktiven juristischen Lage in Deutschland sind alles andere als fröhlich. Ich finde, man muss sich ernsthafter damit beschäftigen.“ Nicola Bardola im Gespräch mit Antonio Pellegrino im Bayerischen Fernsehen, „Lesezeichen“, 15. Januar 2006

„Wenn man die entgegengesetzten Pole betrachtet, einerseits die Palliativmedizin und Hospizbewegung, andererseits die Sterbehilfebewegung, so sprechen alle immer mit denselben Vokabeln: in Würde, sanft, schmerzfrei sterben. Sie benützen dieselben Begriffe, meinen aber etwas anderes damit.“ Nicola Bardola im Gespräch mit Thea Dorn im Südwest Fernsehen, „Literatur im Foyer“, 27. Januar 2006

"Ich glaube, dass man mit einer literarischen Sprache die Fronten aufweicht." Nicola Bardola in Arte, Kulturmagazin "Metropolis", 26. Februar 2006

"Ich weiß nicht, ob wir uns über die Würde einig sind. Der Begriff fällt oft, aber was meinen wir eigentlich damit? Ich habe das Gefühl, das ist eine Worthülse. Als Sprachwissenschaftler versuche ich dem auf den Grund zu gehen. Ansehen, Autorität, Ehre, Eleganz, Respekt, Aufrichtigkeit, auch Unantastbarkeit bilden Begriffsfelder um die Würde herum. Wenn man all diese Konnotationen berücksichtigt, dann sagen manche Menschen, dass sie Würde in Hospizen und Kliniken oder möglicherweise schon im Alter wegen der reduzierten Lebensqualität nicht mehr finden.“ Nicola Bardola im WDR TV west.art am Sonntag, „Abschied vom Leben“, 26. November 2006

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In das schmucklose Klingelschild sind nur vier Buchstaben graviert: EXIT. Drinnen schlichte Büroräume, Computer, ein paar Topfpflanzen. Im Warteraum gluckert ein Aquarium. Die Mitarbeiter lächeln und bieten Wasser an. 14 Angestellte arbeiten in der Geschäftsstelle, überwiegend Frauen. Die Atmosphäre gleicht eher einer Versicherungsagentur denn einer Adresse für Lebensmüde. Die Fachliteratur im Bücherregal ist allerdings eindeutig: „Die Schwelle zum Tod“. „Die Hölle“. „Final Acts of Love“. „Changer la morte“. Auch Nicola Bardolas Buch steht dabei.

Spiegel Wissen, 4/2012

Schlemm, der; -s, -e [engl. slam, eigtl. = Knall, Schlag](Bridge): gewonnenes Spiel, bei dem man 12 od. alle 13 Stiche bekommt. Duden - Deutsches Universalwörterbuch

Leseprobe

Luca spürt den Stoß im Rücken, wehrt sich gegen den Fall, will sich umdrehen, nicht um zu sehen, wer ihn stieß, sondern um Gewissheit zu bekommen, ob seine Eltern mit dem Stoß einverstanden sind. 

Das Telefon klingelt. Die Tochter schläft. Die Frau sieht im Wohnzimmer fern.

Mit dem Hörer in der Hand ist er sofort Sohn. Vor etwa einer Stunde hatte er seiner neunjährigen Tochter noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen.

Der Vater fragt, ob er den Termin wissen wolle. Es ist kein gewöhnlicher Termin, sondern eine Deadline. Der neunte Dezember.

Das Gespräch ist kurz. Kommentare und Gefühle werden auf später verschoben. Das Datum aber prägt sich Luca ein. Der neunte Dezember, ein Tag vor seinem und Sabines Hochzeitstag. Aber das sagt er dem Vater nicht. Es bleiben fast zwei Wochen.

Luca hat das Gefühl, sich gut auf diesen Moment vorbereitet zu haben.

Elf Tage lang wird Luca noch Sohn sein, Kind seiner Eltern, mit Vater und Mutter, die man jederzeit anrufen kann. Dann werden sie sterben. Äußerlich unversehrt und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte.

Absurd und nicht akzeptabel, wird Lucas Schwägerin Christina sagen.

Luca notiert den neunten Dezember im Kalender, blickt auf die elf freien Tageszeilen bis dahin und erinnert sich an eine Zeit, in der er nicht sicher war, ob Paul und Franca seine Eltern sind.

Damals war er etwas jünger als seine Tochter Nora jetzt. Die Unsicherheit betraf vor allem den Vater, denn eine Ähnlichkeit mit der Mutter war unbestreitbar. Aber mit seinem angeblichen Vater Paul?

Luca zählt noch einmal die Tage bis zum neunten Dezember im Kalender. Das Telefon steckt in der Ladeschale, aber er hört noch Pauls Stimme. Sie klingt beherrscht wie immer. Vielleicht versucht sie eine leichte Verlegenheit zu verbergen.

Luca zählt und sieht dabei die breite und hohe Stirn Pauls, den Schädel, die wenigen, nach hinten gekämmten Haare. Paul ist gut gealtert: ein 75-jähriger Ex-Bridge-Meister und Ex-Rektor, braungebranntes Gesicht, einsachtzig groß, aufrecht, der Bauch nicht zu dick. Doch Luca sieht auch die schlaffen Wangen, das Doppelkinn und die leicht zitternden, nikotingelben Finger.

Paul brauchte nie einen Beweis für seine Vaterschaft.

 

Als Luca in den Sommerferien allein durch die Kirchgasse des Bergdorfes Sins nach Hause schlenderte, schlug die Kirchturmglocke zwölf Uhr. Zwischen zwei Schlägen hörte Luca plötzlich einen Schrei: „Polín!“

Eine Frau in Gummistiefeln war aus einem Schafstall herausgekommen und wie erstarrt stehen geblieben. Die Schafställe der Engadiner Häuser befinden sich in den Kellern. Die Bäuerin war zu lange unten im Gestank gewesen. Das Tageslicht blendete sie. Noch einmal schrie sie: „Polín!“ und dann „Paolo!“ Fassungslos sah sie den kleinen Luca an, der es mit der Angst zu tun bekam. Doch dann begriffen Luca und die Frau, deren Entsetzen im Gesicht sich in ein freundliches Lachen verwandelte. Mit einem Redeschwall in rätoromanischer Sprache, von dem Luca nur wenige Wörter verstand, machte sie ihm klar, dass Luca genau so aussehe wie Paul als Kind. Der Kosename für Paul heißt im Rätoromanischen Polín mit Betonung auf der letzten Silbe. So nennen sie Lucas Vater heute noch in Sins: Polín Salamun.

Einen besseren Beweis als den Schrei der Frau für Pauls Vaterschaft hätte Luca sich nicht wünschen können.

Seither ist Luca Pauls Sohn. Aber würde er es nach dem neunten Dezember bleiben? Wie lange ist man nach dem Tod der Eltern noch deren Kind? Wird man erwachsener, wenn die Eltern sterben?

 


www.bardola.de | bardola@t-online.de